Blaumann statt Büchertasche

Abiturienten zieht es immer häufiger ins Handwerk / Ausbildung als KFZ-Mechatroniker/in

Schraubte schon als Kind an Autos: lena Wolff wird
Kfz-Mechatronikerin - ein typischer Männerberuf.
Unter den 50 technischen Azubis bei Beresa sind zwei Frauen.
Foto: Katja Niemeyer

Werkstatt statt Hörsaal: Immer mehr Abiturienten lernen ein Handwerk – und wollen von einem Studium offenbar erst einmal nichts wissen. So haben sich in der Region im Jahr 2013 587 Jugendliche mit Hochschulzugangsberechtigung für einen Handwerksberuf entschieden – 94 mehr als im Vorjahr. Damit haben fast 20 Prozent der Handwerkslehrlinge einen Schulabschluss mit Hochschulreife. Dabei nehmen sie niemandem einen Ausbildungsplatz weg: Es gibt immer noch freie Stellen. Darauf weist die Handwerkskammer Münster hin.

Eine Abiturientin, die nach der Schule lieber den Blaumann überstreifen wollte statt zur Uni zu gehen, ist Lena Wolff. Die 19-Jährige hat sich außerdem einen typische Männerberuf ausgesucht: Seit dem vergangen Jahr lernt sie Kfz-Mechatronikerin bei Beresa in Münster. „Ich habe schon als Kind mit meinem Vater an Autos geschraubt“, sagt sie und lacht. „Da war ich praktisch gepolt auf einen technischen Beruf.“ Den Einstellungstest bestand sie fast hundertprozentig. Das Unternehmen wollte wissen, wie gut ihr Sprach- und Zahlenverständnis ist und ob sie bereits über grundlegendes technisches Wissen verfügt. Darüber hinaus wurde geprüft, wie gut sie sich konzentrieren kann.

Die Entscheidung hat sie nicht bereut, wie sie betont. Weil sie der Bereich Elektronik besonders interessiere, habe sie den Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik gewählt. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. An zwei Tagen in der Woche geht Lena Wolff zur Berufsschule. Ob sie nach der Schule noch ein Studium dranhängt, weiß die Havixbeckerin noch nicht. „Ich könnte mir vorstellen, Fahrzeugtechnik zu studieren und dann für einen großen Autobauer neue Modelle zu entwickeln. Das wäre ein Traum.“ Vielleicht bleibt sie aber auch zunächst als Gesellin in der Werkstatt, sammelt Erfahrungen – und bildet sich fort. „Die Möglichkeiten sind vielfältig“, erklärt Ramona Brinkhaus, die bei Beresa die technischen Auszubildenden betreut. So gebe es Fortbildungen beispielsweise zum Diagnose- Techniker und zum Service-Techniker.

Auch die Übernahmechancen seien gut, so die Personalerin. Dabei setzt das Autohaus auf die so genannte High-Potential-Förderung. Die besten 20 Lehrlinge werden gefördert. Sie werden zu speziellen Veranstaltungen eingeladen, nehmen an Fahrsicherheitstrainings teil und sitzen bei Kamin-Abenden mit der Geschäftsleitung am Tisch. Wer dabei sein will, muss in der Schule überdurchschnittliche Noten haben und am Arbeitsplatz großen Einsatz und Talent beweisen. „Das Handwerk“, sagt Hermann Eiling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, „bietet mit seinen 130 Ausbildungsberufen interessante Karrierechancen bis hin zur Gründung oder Übernahme eines eigenen Betriebes.“

Abiturienten, die sich für eine Alternative zum Studium interessieren, empfiehlt er, Kontakt zur Ausbildungsvermittlung der Kammer aufzunehmen und sich beraten zu lassen. Eiling: „Es gibt noch immer freie Lehrstellen. Die Vermittler kennen Betriebe, die Abiturienten einen Ausbildungsplatz anbieten und stellen den Kontakt her.“

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